sensemaking
die landkarte ist nicht das gebiet — auch nicht in dir.
Wir versuchen ständig, der welt sinn zu verleihen.
Dafür nutzen wir konzepte, modelle, hypothesen. Das problem mit diesen: kaum benutzen wir sie, verwechseln wir sie schon mit der wirklichkeit, sobald sie nur ordentlich genug aussehen. Die landkarte ist eben nicht das gebiet11 Es wäre ja auch sehr unpraktisch, wenn die landkarte die größe der wirklichen welt hätte. – und natürlich wandern wir mit dieser vereinfachten karte in der hand.
Unweigerlich entstehen so ungeprüfte bias, fehlannahmen und A→B-verknüpfungen, die nichts weiter gemein haben als ein zufälliges zeitliches zusammentreffen – woraus dann weitere denkfehler entstehen.
Vereinfachungen können eine riesenhilfe sein – oder uns prima aufs glatteis führen. All das gehört zur vereinfachung dazu: unser gehirn muss ihr glauben, weil es die komplexe welt in ihrer ganzheit nicht erfassen kann.
Was uns rettet: diese landkarten, die wir uns bauen, sind beeinflussbar. Es sind nur linsen, die wir aufsetzen – und eben auch absetzen können, wenn wir merken: ein anderer blickwinkel wäre hilfreicher. Welche brille wir aufsetzen, ist eine entscheidung und hängt von uns selbst ab.
Deshalb denke ich hier laut
Damit ich mich selbst bei denkfehlern ertappe. Und damit du dasselbe tun kannst.
Das paradox der sicherheit
Ich mag es durchaus, recht zu haben. Ich mag es auch, intellektuelle fragen zu diskutieren22 logisch, sonst gäbe es diese seite nicht. Sensemaking ist meine erinnerung an mich selbst — dass das sichere gefühl, richtig zu liegen, nicht unbedingt bedeutet, wirklich recht zu haben.
Je mehr wir alle über vorannahmen und konzepte wissen, desto eher kriegen wir mit, wenn und dass wir falsch liegen (s. Dunning-Kruger).
Was das mit motivation, disziplin & veränderung zu tun hat
Veränderung und produktivität gehen hier auf. Nicht als optimierungs-versprechen, sondern als nebenwirkung von verstehen. „Mehr disziplin” ist selten die antwort auf zu wenig motivation. Verstehen, was unter der oberfläche passiert, führt mich oft an die frage, die dahinter liegt33 In der regel ist das die wirklich interessante frage..
Eine dieser fragen, die mich immer wieder beschäftigt: Warum tun menschen so oft das gegenteil dessen, was ihnen gut täte?
Klarheit ist eine emotion
Noch etwas, das ich in diesem zusammenhang herausgefunden habe: klarheit kann ich fühlen. Es ist eine tiefe befriedigung, die sich einstellt, sobald ich wirklich verstanden habe.
Sprache – und manchmal einzelne wörter – kann etwas, was argumente nicht können: subtil unsere stimmung verändern (s. kollaboration). Sprache verändert auch die linse, durch die ich die welt sehe — und was ich über mich in dieser welt denke.
Ich habe zum beispiel festgestellt, dass ich meinem eigenen rat leichter folge, wenn ich mich direkt anspreche. Großzügiger als schülerin, motivierter beim hinhören.
Hier hängen für mich noch fragen, die ich tiefer elaborieren möchte:
- wie sprache meine welt verändert
- wie ich am besten lerne
- wie sprache meine emotionen beeinflusst
- kann ich meine emotionen durch sprache verändern?
- wie entsteht meine identität — und wie weit kann sie sich wandeln?
Eng verwandt: kollaboration (sprache formt zusammenarbeit).
gepflanzt vor einem monat · zuletzt gepflegt vor 2 wochen